Anschreiben zum L64P – Bedeutung des Myostatingens
- Am Genort BTA 2 befindet sich eines der bekanntesten Gene, das zu einer extremen Muskelfülle bei Rindern. Das Myostatin-kodierende Gen ist verantwortlich für einen Phänotyp der als „Doppellender“ bezeichnet wird.
Der Phänotyp zeichnet sich durch die Massenzunahme der Skelettmuskulatur, vor allem an Vorder- und Hinterhand aus. Typisch für das Erscheinungsbild ist ein ausgeprägtes Hervortreten der Muskeln und sichtbare Grenzen zwischen den Muskeln durch Furchen unter der Haut (Bellinge et al. 2005).
Da der Doppellenderphänotyp in manchen Rassen auch bei heterozygoten Trägertieren vorkommt, ist Ménissier (1982) der Auffassung, dass es sich um unvollständige Rezessivität handelt.
Dabei ist das Protein Myostatin an der pränatalen Regulation des Zellwachstums beteiligt und hemmt die Proliferation und Differenzierung von Muskelfaserzellen (Grobet et al., 1997). Die Funktion des Proteins kann durch Mutationen des Gens unterschiedlich beeinflusst werden.
Bei bestimmten Rassen wie den Weiß-blauen Belgiern gehört der Gendefekt bereits zum normalen Erscheinungsbild. Laut Grobet et al. (1998) sind die Myostatinmutationen durch die langjährige Selektion fleischreicher Rinder in manchen Rassen manifestiert worden. So gilt auch die Mutation F94L als fixiert in der Rasse Limousin (Allais et al. 2010).
Im Myostatin Gen können gibt es bisher 14 bekannte Varianten, wovon bisher vier Varianten bei Fleischrinderrassen relevant sind. Sie werden mit dem Kürzel M (Myostatin) und fortlaufenden Zahlen abgekürzt.
M1 à nt821:
M2 à Q204X:
M3 à F94L
M4 à L64P
Beim Glanrind sind die Varianten M1, M3 und M4 nachgewiesen. Wie die phänotypische Ausprägung der Kombinationen der verschiedenen Varianten ausgeprägt ist, lässt sich im Moment noch nicht sicher sagen und benötigt weitere Beobachtungen und SNP-Typisierungen.
Zur neu Validierten Variante L64P (Abkürzung M4) gibt das Infoschreiben einen ersten Überblick.
